ad.lati Jugendsozialarbeit:
Zugänge öffnen für Kinder mit und ohne Fluchterfahrung

team adlatiSeit Beginn des letzten Schuljahres im September 2015 gibt es sie: Die ad.lati Jugendsozialarbeit an der Katharina-Heinroth-Grundschule und dem Walther-Rathenau-Gymnasium. Dajana Ivanković und Jana Düring begleiten an jeder Schule je drei Lerngruppen für Neuzugänge ohne Deutschkenntnisse  (ehemals "Willkommensklassen") und beraten Lehrkräfte, SchülerInnen und Eltern – abwechselnd je zweieinhalb Tage an einer der beiden Schulen. Koordiniert wird das Angebot der Lerngruppen von Sonne Ince, die viel Erfahrung aus ihrer langjährigen Arbeit als Schulsozialarbeiterin in ad.lati nehring an der Nehring-Grundschule hat und im November 2016 die Leitung des Bereichs Kooperation Jugendhilfe – Schule bei der DASI Berlin übernehmen wird.

Lerngruppen für Neuzugänge ohne Deutschkenntnisse: Kinder mit und ohne Fluchterfahrung

Die Kinder in den Lerngruppen, die die beiden Sozialpädagoginnen begleiten und unterstützen, haben gemein, dass sie kein oder noch nicht ausreichend Deutsch sprechen, um am regulären Unterricht teilzunehmen. Viele der Kinder haben Fluchterfahrungen und kommen aus dem arabischen Sprachraum. Auch sind Kinder darunter, deren Eltern beruflich nach Deutschland gezogen sind, z.B. aus Frankreich oder Polen. Die Verständigung mit den Kindern klappt meistens mit wenig Worten, dafür mehr Gesten. Gefühlsmonsterkarten und auch Bilder helfen den Kindern gerade am Anfang, sich auszudrücken. Sie lernen jedoch in der Regel sehr schnell die deutsche Sprache, so dass die Kommunikation im Laufe der Zeit einfacher wird.

Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen im Fokus

Die Gestaltung der ersten Zeit ist enorm wichtig, legt sie doch den Grundstein für das weitere Miteinander. Ziel von ad.lati Jugendsozialarbeit ist es, ein Klassengefühl zu entwickeln und eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Kinder und Jugendlichen wohlfühlen können und Schule als angenehmen Lern- und Lebensort erfahren. Dazu tragen Aktionen bei, die die Gruppendynamik anstoßen, ein Wir-Gefühl entstehen lassen und gleichzeitig Spaß bringen: wie beispielsweise eine Kiezrallye, bei der die Kinder in Gruppen ihre Umgebung erkunden, wobei jede/r einzelne eine wichtige Rolle einnimmt.

Die beiden Sozialpädagoginnen richten sich in erster Linie nach den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen. Sie agieren punktuell in den Klassen und haben viele Anfragen von den Lehrkräften, mit denen die Kooperation gut klappt. Sie beraten die Lehrkräfte, sensibilisieren sie in Bezug auf die Lebenswelt der SchülerInnen, klären über die rechtliche Situation und über mögliche Diskrimnierungserfahrungen auf  und begleiten sie bei Ausflügen, bei denen die Lehrkräfte die Kinder auch mal außerhalb der Schule ungezwungener erleben können.

Zugänge ermöglichen und den Sozialraum erkunden

ad.lati Jugendsozialarbeit möchte den SchülerInnen vor allem Zugänge öffnen, zum Beispiel mit Projekten und AG-Angeboten, die sie auch schulübergreifend anbieten und mit denen sie Integration im Schulalltag ermöglichen. Außerhalb des Schulrahmens erkunden die Sozialpädagoginnen mit den Kindern den Sozialraum, zeigen ihnen Jugendfreizeiteinrichtungen, die sie nutzen können, begleiten sie zu Projekten, um den ersten Schritt zu tun, gehen in Bibliotheken, vermitteln Sport- und Theaterangebote und schaffen Zugänge zu Beratungsstellen. Die Kunst besteht gerade bei Beratungsangeboten darin, zu erkennen, ab welchem Punkt sie weitervermitteln müssen.

Gefühlsalphabet und soziale Projekte an der Grundschule

Die Arbeit in der Grundschule unterscheidet sich aufgrund des Alters der Kinder und der Schulstruktur wesentlich von der Arbeit im Gymnasium. In der Grundschule hilft das Gefühlsalphabet den Kindern, sich auszudrücken, Grenzen aufzuzeigen und zu wahren.

In Kooperation mit den ErzieherInnen an der Grundschule konnte gerade ein besonderes soziales Projekt durchgeführt werden: Kinder, die ihre Heimat und ihre Familien sehr vermissen, schreiben in Briefen an Familienmitglieder in ihren Herkunftsländer von ihrem Leben in Deutschland.

Mit einem anderen Schüler wird gerade ein Buch auf Deutsch und Arabisch entwickelt, das für alle Kinder, die neu in Deutschland ankommen, Fragen beantwortet wie: Wie ist das Ankommen in Deutschland? Was machen wir hier? Was passiert in der Schule?

Schulberatung und theaterpädagogische Projekte am Gymnasium

Am Gymnasium steht außerdem Schulberatung im Fokus. Hier gilt es zu klären, auf welche weiterführenden Schulen oder welches Oberstufenzentrum die Jugendlichen gehen können und die Kontakte herzustellen.

In besonderen Projekten wie beispielsweise dem gerade durchgeführten theaterpädagogischen Projekt verfolgen die Sozialpädagoginnen einen integrativen Ansatz und bringen Kinder aus Regelklassen mit den Kindern aus den Lerngruppen zusammen. So können nicht nur die Kinder in den Regelklassen sensibilisiert werden, sondern auch Freundschaften entstehen. Und der Girls‘ Day gehört ebenfalls mit ins Programm: Eine neu eingerichtete Mädchengruppe konnte die Herzchirurgie der Charitéerkunden.

Was kommt nach der Lerngruppe?

Geplant ist, dass die Kinder nach einem Schuljahr in Regelklassen aufgenommen werden. Die Realität sieht anders aus: Entweder es fehlt an Schulplätzen oder es scheitert beispielsweise an der richtigen Sprachenfolge am Gymnasium. Hier müssen in Zukunft noch Lösungen gefunden werden. Wichtig ist jedoch, dass die Kinder und Jugendlichen das System Schule in Deutschland von Anfang an positiv erleben können und erfahren, wie sie sich außerhalb der Schule Unterstützung holen und ihre Freizeit gestalten können. Das ist der Ansatz, den ad.lati Jugendsozialarbeit umsetzt – und das mit Erfolg.

Und übrigens: Ganz frisch ist nun auch ad.lati Jugendsozialarbeit mit zwei halben Stellen an der Otto-von-Guericke-Schule in Charlottenburg-Wilmersdorf gestartet.